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Vereinsgeschichte

 

Von der Schützenvereinsgründung in Altenberge, den Vereinszielen und dem Lebensgefühl der Gründungsväter nach dem 2. Weltkrieg

Im Herbst 1951 traten in Altenberge „beherzte Männer, überwiegend gediente Soldaten“ (Vereinschronik) zusammen, um über die Gründung eines Schützenvereins zu beraten. Obwohl der 2. Weltkrieg bereits vor 6 Jahren endete, wurden immer noch deutsche Kriegsgefangene in Russland festgehalten. 47 Väter und Söhne des Heimatdorfes kehrten nie wieder heim, sie ruhten in fremder Erde, an meist unbekannten Orten. In den Davongekommenen wirkten noch die Schrecken des Krieges nach. Doch bestimmend für ihr Lebensgefühl wurde jetzt die Einkehr von Frieden in der Heimatregion.

Endlich vorüber die Zeit des Bangens der Mütter um ihre Kinder, die durch Luftangriffe und Bombenabwürfe bedroht waren. So mussten die Schulkinder Altenberges in den Kriegsjahren immer wieder aus dem Unterricht in den Splittergraben flüchten. Er befand sich unter Tannen versteckt auf dem Friedhof, 18 m lang, 1,50 m tief und 80 cm breit, mit 200 Strohballen abgedeckt. Endlich vorbei die Zeit der Plünderungen und Gewalttaten nach Kriegsende, von denen alle Chroniken berichten, insbesondere im Zusammenhang mit der polnischen Besetzung Harens. Keine Räuber waren mehr unterwegs, die des Nachts Bauernhöfe überfielen. So hatten im Winter 1946/47 Räuber in Pool beim Bauern Over eine Kartoffelmiete geplündert. „Als der Pflegesohn und der Schwiegersohn von Over darauf zu kamen, fiel ein Schuss. Die Kugel drang dem einen durch den Arm und dann dem Pflegesohn in den Kopf und tötete ihn auf der Stelle.“ (Schulchronik)

Nach den Erfahrungen im 2. Weltkrieg, nach dem Zusammenbruch und der Teilung Deutschlands 1945 mussten die Schützenvereine ihre Bezugsgröße und Aufgaben neu bestimmen. Damit war die Tradition eines Nationalismus gebrochen, die sich von den Freiheitskriegen 1813-15 über den Krieg von 1870/71 gegen Frankreich bis zum 1. Weltkrieg in Schützenvereinen und Kriegervereinen ausgewachsen hatte. Die NS-Machthaber des „3. Reiches“ hatten zudem die christlichen und sozialen Wurzeln des deutschen Schützenwesens abgetrennt. Sie hatten die Schützenvereine durch „Gleichschaltung“ gezwungen, Mitglied des Deutschen Schützenverbandes und damit des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen zu werden. Damit schrieben sie die wehrsportliche Erziehung vor, zuvörderst die Ausbildung der Männer in der Schießfertigkeit.

Im Neubeginn des deutschen Schützenwesens der Nachkriegszeit und mit der Entstehung neuer Schützenvereine waren nun Elemente des Traditionsbegriffs und Vereinsziele gründlich zu prüfen.

Die Altenberger Schützenbrüder jedenfalls haben ihre Vereinsgründung anhaltend beraten, denn es „tauchten Meinungsverschiedenheiten auf“ in der Gründungsversammlung. (Vereinschronik) „Nach längerer Aussprache und Debatte“ und einer erneuten Versammlung zum Jahresende 1951 einigte man sich auf die Zweckbestimmung des Vereins, Träger des traditionellen Sommervolksfestes, zum vom Kriegerverein überlieferten Pfingsttermin, zu sein und somit die Geselligkeit in der Gemeinde zu pflegen. Dieses sich bescheidende Ziel orientiert sich an dem Heimatort, bedeutet ein Bekenntnis zum Lebensraum der Überschaubarkeit und Geborgenheit, insbesondere zum traditionsreichen Leitwert der Altenberger, dem Zusammenhalt der Menschen. Daher kommt dem Begriff „Brudergruß“ im Wahlspruch der Schützengilde zentrale Bedeutung zu. Die Liebe zur Heimat zu erhalten – eine Wertvorstellung des deutschen Schützenwesens – stellt somit das umgreifende Ziel dar. Aus der Tradition der katholischen Schützenbruderschaften, die von den Nationalsozialisten verboten worden waren, leitet sich in der Nachkriegszeit der wichtige Vereinszweck her, die Verbindung zur Kirche zu pflegen. Wenn in der Schützengilde Altenberge weitere Ideale aufklingen, dann im Lied – „unser Lied“, äußern die Männer – vom Wildbret-Schützen: die Freiheit des Schützen im weiten Revier, ein Männertraum, unvergessen.

Vom Brauch des Schützenwesens hat sich das Militärische nur mit „einem Hauch“ gehalten, wie die Chronik mit leisem Spott vermerkt. Auch das Ziel der Schützengilde, den Schießsport zu pflegen, trägt den Stempel einer historischen Revision. Die Schießübungen dienen nicht mehr der Verteidigung der Stadtmauern wie im Mittelalter, nicht mehr der Stärkung der Wehrfähigkeit wie in den Jahrhunderten bis 1945, sondern sie werden rein sportlich begründet.

In der Gründungsphase wurde weiter erörtert, wie der Einzugsbereich der Schützengilde Altenberge festzulegen war. Selbstverständlich gebot hier das Zusammengehörigkeitsgefühl, dass nicht die engeren Grenzen der politischen Gemeinde Altenberge sondern die umfassenderen der katholischen Kirchengemeinde anzusetzen waren, damit die Glaubensbrüder aus Randbezirken sich mit ihren Familien der Gemeinschaft der Schützengilde anschließen konnten.

Die Vereinsgründung gehört in den Kontext des politischen und wirtschaftlichen Aufstiegs der neu gegründeten Bundesrepublik seit 1949. Das Lebensgefühl der Menschen war nun von Zuversicht getragen. Von „Wirtschaftswunder“ und Vollbeschäftigung in der Region spricht die Schulchronik Altenberge. Die Dorfstraße und viele Wirtschaftswege wurden befestigt und mit Asphaltdecken versehen. Die Süd-Nord-Straße wurde „endlich“ bis zur Schleuse 68 weitergeführt als durchgehende Verbindung von Nordhorn bis Leer. Parallel entstand die Nord-Süd-Kanalstraße von Altenberge bis Nordhorn. „Auf fast jeder Plaatze des Dorfes „wurden neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet.

Voller Lebensfreude nahmen in der hiesigen Region ältere Schützenvereine, die während des 2. Weltkrieges und in der folgenden Notzeit kein Schützenfest gefeiert hatten, das Schützenwesen wieder auf. In den 50er Jahren standen in der Nachbarregion von Altenberge Neugründungen an: 1950 die Schützenvereine Erika und Altharen; 1951 der Schützenverein Rütenmoor und Fehndorf; 1952 trat nun die Schützengilde Altenberge auf den Plan. Das traditionelle Sommer-Volksfest am Pfingstmontag, das frühere „Kriegerfest“, war bereits wieder gefeiert worden, veranstaltet von der politischen Gemeinde. Jetzt übernahm die Schützengilde diese Aufgabe.